Mehr Erfolg im kreativen Business durch weniger Tools

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Als ich 2011 das erste Mal mit Fotografie und Gestaltung in Berührung kam, hatte ich nichts — keine Kamera, kein MacBook, kein Grafiktablett, keine Linsen — nichts! Bei anderen Fotografen und Grafikern sah ich dann all die teuren Vollformatkameras und die teuren Objektive, tolle Monitore und die Wacom Grafiktabletts und dachte mir nur: wenn man mir so ein teures Equipment gibt, werde ich nicht nur gute Fotos produzieren können, ich werde sicherlich sehr erfolgreich als Fotograf. Doch leider gab es da ein kleines Problem: die meiste Technik konnte ich mir nicht leisten — für einen Lehramtstudenten war es einfach zu teuer.

Für den Anfang habe ich mir die Grundausstattung geholt: eine Einsteigerkamera und ein Kit-Objektiv. Doch der Gedanke, dass ich deutlich mehr mit einem teuren Equipment machen könnte hat mich nie verlassen. Deshalb habe ich eine Kamera nach der anderen verkauft und mir immer wieder eine etwas bessere zugelegt. Meine Ausrede war dann jedes Mal: die Kamera ist doch nicht so gut, wie ich dachte und schafft es nicht, meine Kreativität zu entfalten.

Umso mehr traf mich der Blitz, als ich mir ein Jahr später eine Top-Vollformatkamera, ein Top-Objektiv und ein MacBook zugelegt habe. Die Qualität meiner Bilder hat sich dadurch kaum verbessert, die Bilder wurden weder qualitativer, noch kreativer.

Ich habe mich so sehr auf die Technik, Apps und den unnötigen Kram konzentriert, dass ich die Kreativität selbst völlig außer Acht gelassen habe.

Nun stand ich da — mit einem Top-Equipment auf einem Anfängerniveau. Was soll ich machen? Wie soll ich vorgehen? Bin ich doch kein Kreativer? Soll ich das mit der Fotografie lassen?

In diesem Moment wurde mir klar: jetzt darf ich es nicht mehr auf die Technik schieben — jetzt muss ich lernen, wie man wirklich fotografiert oder es für immer sein lassen. Zum Glück habe ich mich damals für das zweite entschieden.

Für die darauffolgenden Jahre habe ich mir ein Kaufverbot erteilt. Ich habe versucht, verschiedene Ideen, Aufträge oder auch Aufgaben aus der Uni nur mit dem Equipment zu realisieren, das ich bereits zur Verfügung hatte. Es war nicht immer leicht, und ab und an musste ich Sachen in spezifischen Fällen ausleihen, doch es brachte oft sehr kreative und interessante Lösungen mit sich.

Ich habe mich voll und ganz dem Prozess gewidmet. Ich lernte die Grundlagen der Fotografie, schaute tausende YouTube Videos an, organisierte Shootings und versuchte, immer wieder meine Ideen in Bilder umzuwandeln. Ich habe mich mit anderen Kreativen verknüpft, um von Ihnen zu lernen und alle haben mir etwas beibringen können, alle haben mich auf ein neues Level gepusht. Ich habe konsumiert und kreiert — ich habe mich als Fotograf weiter entwickelt.

Genau diese Herangehensweise hat meinen Stil beeinflusst und geprägt, mich zu dem Fotografen werden lassen, der ich heute bin. Das neuste und teuerste Equipment hat damit, was ich am Anfang geglaubt habe, nur wenig zu tun.

Vereinfache und konzentriere dich auf das Wesentliche

Kennt ihr diese Kommentare unter den Fotos oder Videos:

“Hey, sieht sehr gut aus. Tolle Arbeit. Welche Kamera und welches Objektiv nutzt du?”

Ich frage mich, ob dieselben Menschen auch in einem Restaurant den Chefkoch fragen, mit welchen Töpfen er sein Gericht zubereitet hat.

Wirklich? Ist die Technik das Wichtigste beim kreativen Prozess? Das glaube ich zum Glück nicht mehr. Es spielt natürlich eine gewisse Rolle, aber ich kenne so viele Fotografen die mit einer tollen und sehr teuren Kamera nur durchschnittliche Bilder produzieren. Und genauso kenne ich ein paar Kreative, die mit Hilfe von iPhones oder einer Einsteigerkamera zeitlose Werke zaubern.

Ich meine, eine tolle Kamera oder ein anderes Tool kann das Leben eines Kreativen erleichtern — keine Frage. Doch wenn es demjenigen primär nur um die Technik geht, dann wird die Kreativität nach Hinten gestellt, was selbstverständlich nur zu mittelmäßigen oder sogar zu sehr schlechten Ergebnissen führen kann.

Die Menschen sind ständig auf der Suche nach passenden Tools und bestem Equipment, anstatt sich auf das Wesentliche zu konzentrieren — der Förderung und Weiterentwicklung eigener Kreativität. Denn nicht ohne Grund sind die so genannten “Office Tours” und “Tools die ich nutze” Videos auf YouTube so berühmt. Ich muss gestehen, ich schau sie leider immer noch ab und zu an.

Um im kreativen Business erfolgreich zu werden, reicht es bei Weitem nicht, dass du dir das teuerste Equipment und die teuersten Produktivität-Apps zulegst — du musst mit Herz und Seele arbeiten, deine Kreativität täglich fördern und dich immer weiter entwickeln. Dein Ziel muss sein, etwas Neues und etwas Originelles zu erschaffen. Und glaube mir, keine Tools der Welt werden dir diese Arbeit abnehmen können.

Es ist immer einfacher zu behaupten, dass man etwas besser machen könnte, wenn man ein besseres Werkzeug dazu hätte. Aber in Wirklichkeit will man einfach nicht nach einer alternativen Lösung suchen. Das kenne ich von mir persönlich viel zu gut.

Herausforderung

Um aus dieser Sackgasse rauszukommen, versuche bis Ende des Jahres (gerne aber länger) dich ausschließlich auf die Kreativität, anstatt auf dein Equipment und deine Tools zu konzentrieren. Benutze nur das, was du gerade zur Verfügung hast.

Wenn du also genauso wie ich begeistert neue Technik kaufst und immer das Neuste haben willst, dann erteile dir persönlich ein Kaufverbot für dieses Jahr. Kaufe nichts, bis du:

  1. deine aktuelle Technik perfekt beherrschst (so, dass du sofort weißt, wie du eine Idee mit deinem Equipment realisieren könntest)
  2. du merkst, dass du mit der jetzigen Technik bis zu 80% deiner Aufträge bzw. deiner Projekte erledigen kannst.

Selbstverständlich wirst du auf Situationen stoßen, die das eine oder andere Werkzeug von dir verlangen, das du aber nicht besitzt. In diesen Situationen sollst du das fehlende Tool ausleihen und nicht sofort kaufen.

Minimalisieren

Das Schlimme an der ganzen Geschichte ist, dass ich enorm viel Geld und vor allem Zeit verloren habe, als ich die Kameras hin und her verkaufte und mir Objektive zulegte, um diese dann doch zwei Wochen später zu verkaufen. Ich dachte ich brauche dies und jenes, um tolle Bilder zu machen, doch im Endeffekt habe ich nur 2 Objektive genutzt. Und als ich mir das Kaufverbot erteilte — habe ich nicht nur aufgehört, mein Geld wegzuwerfen, ich habe plötzlich genug Zeit für meine Kreativität gewonnen.

Versuche nicht den besten und tollsten Werkzeugen hinterher zu rennen. Versuche nicht, alles zu haben — du brauchst nur wenig, um super Ergebnisse zu erzielen. Du brauchst garantiert keine 20 Objektive und keine 10 Kameras oder andere Werkzeuge, du brauchst auch keine super Business- Apps. Benutze nur die einfachsten und notwendigsten Dinge, denn weniger ist auch heutzutage immer noch mehr.

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