Mit dem Wind oder gegen den Wind?

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Diese Woche war ich wieder mal draußen joggen und bin meine 10 km Runde über die Altstadt, beide Brücken und einen schönen Park gelaufen. Während ich vor mir her lief und die Fußgänger dachten, ich bin am Verrecken (hört sich sicherlich so an, wenn ich beim Joggen atme, ich höre ja nichts wegen lauter Musik in den Ohren), kam der Wind mal von rechts, mal von links und hat meine Frisur immer wieder vernichtet und mir die Haare ins Gesicht geworfen.

Irgendwann habe ich gemerkt, dass mich das tierisch nervt und ich die ganze Zeit versuche, dem Wind auszuweichen. Ich habe versucht meinen Kopf zu drehen, extra in eine andere Richtung zu laufen und so weiter und so fort. Das führte dazu, dass ich nicht nur in eine andere Richtung gelaufen bin als ich wollte, ich war auch noch über den Stand der Dinge verärgert und hatte in dem Moment absolut keinen Spaß am Joggen.

Doch was hat das mit den Business-Themen zu tun?

Im Business läuft es nicht anders. Der Widerstand (unterschiedliche Situationen) kommt mal von rechts, mal von links und auch mal von vorne. Und wenn man die ganze Zeit versucht dem Wind auszuweichen und „mit dem Wind zu laufen“ wird man sich weder entwickeln, noch erfolgreich werden.

Bei mir war es genau der Fall in den letzten beiden Monaten (nicht nur beim Joggen). Anstatt zu versuchen, durchzustehen und gegen den Wind in eine von mir gewählte Richtung zu laufen, habe ich die ganze Zeit versucht, dem Wind auszuweichen und so kam es, dass ich unglücklich, verwirrt und erschöpft nachts in meinem Bett lag und versucht habe, die Probleme zu lösen.

Was war los? Ich erzähle dir.

Bei meiner letzten und einzigen Anstellung war ich als Art Director tätig und habe alle möglichen Aufgaben im Designbereich erledigt. Vom Print bis zu den Videodrehs gehörte alles zur meiner Verantwortung.

Als ich ausgestiegen bin, wollte ich nur noch Fotos schießen und Videos drehen. Das Problem war aber, dass ich noch nicht genug Kunden dafür hatte. Und so kam es, dass ein paar meiner ganz alten Kunden und mein letzter Arbeitgeber sofort zu meinen Kunden wurden. Und was wollten sie? Sie wollten, dass ich weiterhin als Art Director für sie tätig bin. Und da Fotos und Videos mir noch nicht so viel Geld gebracht haben (ca nur 35% der Einnahmen) habe ich natürlich eingewilligt… und das war der Wind, dem ich keinen Widerstand gezeigt habe, sondern mich so gedreht habe, damit er mich nicht ins Gesicht schlägt.

Ich bin so tief in den ganzen Print-Webseiten-Logo-Aufgaben versunken, dass ich absolut keine Zeit für Foto und Video hatte und teilweise auch nicht für meinen YouTube Channel.

Das Joggen und der Wind letzte Woche haben mich darauf aufmerksam gemacht. Ich habe die ganze Zeit versucht, dem Wind auszuweichen, anstatt meine gewählte Route zu laufen.

Nach dem die letzten 4 Nächte fast zu 80% schlaflos waren, habe ich mich dazu entschieden, eine Schlussstrich zu ziehen und gegen den Wind zu laufen.

Morgen habe ich mehrere Gespräche mit meinen Kunden. Ich werde Ihnen mitteilen, dass sie sich ab sofort nach einem Designer umschauen sollen und dass ich sie nur noch in der ganz kurzen Übergangszeit unterstützen werde. Danach stehe ich ihnen nur noch als Foto- und Videograf zur Verfügung.

Es war keine leichte Entscheidung. Ich habe Angst. Aber lieber laufe ich in eine Sackgasse, als dass der Wind meine Laufrichtung bestimmt.

Wir Kreative sind keine Segelboote, die dahin gehen, wohin der Wind sie treibt. Wir sind Vögel, die dahin fliegen, wohin sie wollen.

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